Die Chroniken von Bückeburg

•29. November 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Es begab sich, dass ein Angehöriger der Rekrutenkompanie, genauer des 1. Zuges dieser Kompanie, seine Erlebnisse in Briefform an eine gute Freundin niederschrieb.
Alle diese Briefe liegen mir vor und sie erzählen eine Geschichte geprägt von Mut, Waghalsigkeit, Freundschaft und Kameradschaft.

Natürlich würde es viel zu lange dauern diese Briefe ungekürzt zu veröffentlichen. Deshalb und weil auch nicht jeder Brief für die Öffentlichkeit gedacht ist werde ich sie hier zusammengefasst und in gleicher Form wie bisher veröffentlichen. Das Gute daran ist, dass ich so eine genaue Chronologie durch die Angabe eines Datums erstellen kann.

Freut euch also weiterhin über die Geschichten von wushi, dem tapferen Soldaten, der seine Erlebnisse aus Bückeburg schildert.

07.07.08 – 13.07.08

Am Montag Morgen der zweiten Woche überraschte man uns mit einer Botschaft, die im Allgemeinen alles andere als Wohlbefinden in uns auslöste. Es würde Wochenenddienst geben. Was das bedeutet ist wohl selbst erklärend: Wir alle würden über das Wochenende in der Kaserne bleiben können.
Ohwei. Da stieg die Motivation natürlich ins Unermessliche.
Ansonsten war die Woche geprägt von Unterrichten und ersten Unterrichten an Waffen. Diese Unterrichte fanden auf unseren Stuben statt und wurden dem entsprechend „Stubenunterrichte“ genannt. Ganz vorne dabei war die Standart-Waffe der Jägertruppe : Das Gewehr G36. Ein Gewehr, das sowohl vielseitig als auch einfach zu bedienen ist – eine Eigenschaft, die immer wieder als Soldatensicher beschrieben wurde.
Es galt die einzelnen Baugruppen und Technischen Daten auswendig zu lernen, die ich hier aus VS Gründen natürlich nicht nennen kann.

An als sich das Dienstwochenende näherte wurde ich krank. Die ganze ruckartige Umstellung meines Lebens und die damit verbundene Anspannung und körperliche Anstrengung sorgte dafür, dass ich Fieber, Husten und Gliederschmerzen bekam. Ich wurde allerdings nur vom Außendienst befreit. Das heißt, alles was in Gebäuden statt fand sollte ich, nach Meinung der Ärzte ruhig mitmachen. Aus heutiger Sicht muss ich sagen, dass der behandelnde Arzt damit gegen seine Pflicht zur Fürsorge verstoßen hatt. Denn mit 39° Fieber sollte man – wenn man denn schon in der Kaserne bleiben muss – tunlichst im Bett bleiben. Die gleiche Pflichtverletzung lag natürlich auch bei meinen Vorgesetzen vor. Aber das wäre ein anderes Thema.
Ich quälte mich also weiterhin durch alle Unterrichte und legte mich, während die anderen draußen waren schlafen. Verpasst hatte ich dadurch nicht viel, nur die ersten Stunden im Formaldienst, die ich in der 3. Woche nach Dienst nachholen durfte.

Das Wochenende hatte weitere Unterrichte und am Sonntag einen Kasernengottesdienst im Programm. Sonntag ging der Dienst dann auch nur bis 12 Uhr mittags. Danach hatte man immerhin noch ein paar Stunden sich vom Dienst zu erholen um dann Montag von vorne durch zu starten.

Woche 1

•22. November 2009 • 3 Kommentare

Der letzte Eintrag liegt nun schon einige Zeit zurück und dafür möchte ich mich an dieser Stelle in aller Form entschuldigen.

In einer Woche habe ich endlich Urlaub und werde mich vermehrt der Niederschrift meiner Erlebnisse widmen.
Denn das ganze hier ist neben Spaß, der Information anderer und dem Revuepassieren von Erlebnissen auch gut um alles richtig einordnen zu können und das Erlebte aus einem distanzierten Blickwinkel zu sehen.

 

Woche 1 war für mich die schlimmste von allen, auch wenn sie nur 4 Tage Dienst beinhaltete.
Es war eine komplette Umstellung, die mir wie 10 kräftige Schläge ins Gesicht vor kamen.
Woran das lag? An folgendem:
Verwöhnt, wie ich war, war ich ein großes, bequemes Bett gewöhnt. Beim Schlafen herrschte Ruhe. Ich musste mich mit niemandem arrangieren.
Tja und dann musste ich mir die Stube mit 7 anderen Menschen teilen. Einer davon war der wohl lauteste Schnarcher der Welt. Die Geräuschkulisse, die der Kamerad nach den 2 Nano-Sekunden, die er zum Einschlafen benötigte, fabrizierte glich in etwa der einer Großbaustelle in der Presslufthammerhauptbetrieb herrschte.
Das bedeutete, dass ich in Nacht 1 – trotz mehrmaligem Weckens des Störenfriedes – kein Auge zu bekam.

Da lag ich also in meinem viel zu kleinen, viel zu unbequemen Bett, das Kissen über den Kopf gepresst in der Hoffnung den Presslufthammerhauptbetrieb wenigstens zu einem Bahnhof mit regem Zugbetrieb umzuformen und mir so doch noch den dringend benötigten Schlaf herbei zu führen und dachte nach. Ich verfluchte in dieser Nacht meine Entscheidung den Kriegsdienst nicht zu verweigern. Ich dachte , dass ich 3 Monate mit dieser nächtlichen Unannehmlichkeit nicht überstehen würde und spätestens nach 2 Wochen den Verstand verlieren würde.
Als um 05:00 des 2. Tages ein lautes “ ERSTER ZUG AUFSTEHEN!!!!!“ zu vernehmen war keimte in mir Schadenfreude. Im Gegensatz zu den anderen schreckte ich nicht aus dem Schlaf und fragte mich benommen wo ich war. Ich wusste es ja bereits und war froh, diese Nacht überstanden zu haben.

Der zweite Tag war im Prinzip eine Art Einführung. Wir hatten den ersten Stubenunterricht, in dem wir die Dienstgrade der Bundeswehr lernen sollten, wir wurden zum Arzt geführt, wo eine erneute Eingangsuntersuchung stattfand und hatten Abends einen Unterricht beim Zugführer, der uns einen groben Überblick über das gab, was uns so erwarten würde.

Zurück zu den Dienstgraden. Aus heutiger Sicht kann ich absolut nicht verstehen, wie es mir so schwer fallen konnte die auf die Reihe zu kriegen. Heute ist das alles Routine. Blick auf die Schulter, Dienstgrad erkennen, bei höherem Dienstgrad : Gruß „Guten Tag Herr [Dienstgrad]„; bei niedrigerem Dienstgrad : Gruß erhalten: Gruß erwiedern ; kein Gruß erhalten : Untergebenen wirksam an die Grußplicht erinnern.
Soweit die Faustformel.

Damals hab ich einfach gar nichts davon hinbekommen. Jäger, Gefreiter, Obergefreiter, Hauptgefreieter…. soweit ging’s noch. Und dann? Nur Murks. Besonders bei den Unteroffizieren. Unteroffizier, Oberunteroffizer, Hauptunteroffizier?! Schwachsinn! Und trotzdem sind mir solche Vergewaltigungen der Dienstgrade heraus gerutscht. Natürlich gab’s dafür jedes Mal eine Standpauke und einen hoch-roten Kopf meinerseits. Nach und nach hörte das allerdings auf und das Erkennen der Dienstgrade ging mir so ins Blut über, dass ich sie wie Ohrwürmer im Kopf hatte.

Es folgte am Dritten Tag die Einkleidung. Dafür ging es mit dem Bus in die Kaserne der Pioniere nach Minden. Als wir angekommen waren durften wir erst mal eine gute Stunde in der Sonne anstehen. Es waren noch andere Rekrutenkompanien vor uns an der Reihe. Dann, als wir endlich angekommen waren wurden wir durch verschiedene Räume geschleust, immer wieder mal vermessen und erhielten nach und nach unsere Ausrüstung, die wir in einer Art Einkaufswagen verstauten, der sich immer mehr füllte. Ich bekam alles, bis auf Stiefel. Die sollte ich auch die ersten 2 Wochen nicht haben. Das wohl größte Problem war die komplette Ausrüstung in 2 großen Taschen, genannt „Kampftragetasche“ (Komisch, dass vor fast allem beim Bund ein „Kampf“ geschoben wird. Beispiele: Kampfhandschuhe, Kampfrucksack, Kampfstiefel) und den „Seesack“ und in eine kleine, dem Kampfrucksack unterzubringen.
Noch abenteuerlicher war es das alles vom Einkleidungsblock bis zum Bus zu kriegen. Ich fühlte mich wie der letzte Packesel und lief mit kleinen, langsamen, wankenden Schritten unter der Aufbringung meiner ganzen Kraft (die damals noch zu wünschen übrig lies) und Schweißausbrüchen zum Bus.

Zurück in der Heimatkaserne wurde wir in die DDR-Mehrzweckhalle (ich berichtete) geführt und mussten noch mal alles auspacken um eine Vollzähligkeit des Materials zu machen. Die Logik, die dahinter stand es erst in Bückeburg durchzuführen entzog sich mir allerdings. Mir fehlte natürlich prompt etwas. Die Stiefel ausgeschlossen. Was mir fehlte war ein Schlafsacküberzug im Wert von etwa 700€. Zahlen musste ich dafür nichts, es war ja klar, dass er mir einfach nicht ausgegeben wurde. Zumindest dachte ich es, bis ich meinen verloren Überzug zwei Wochen später in einem extra Fach fand. Ich hab bis heute noch 2 und viele Kameraden waren mir für die Leihgabe meines überschüssigen Materials schon dankbar! Tja, meine Schusseligkeit hat auch manchmal ihr gutes.

Der Rest des Tages und Tag 4 waren geprägt vom Einräumen des Spindes und weiteren Einweisungen in die Örtlichkeiten. Am Morgen des 4. Tages traten wir das erste mal in Uniform an. Mein schnarchender Stubenkamerad und ich waren die einzigen ohne Stiefel und sorgten dadurch natürlich für Gelächter. Und schon wieder stand ich – diesmal allerdings unverschuldet – im Mittelpunkt. Mist!!

Es folgte das Wochende. Das erste Mal zu Hause. Es war wie das Paradies. Das Sitzen auf der Couch war so himmlisch! Und oh! mein eigenes Bett. Die Herrlichkeit von Komfort wurde mir bewusst. Alles, was für den normalsterblichen alltäglich ist und nicht auffällt rückte plötzlich in den Vordergrund. Es ging mir körperlich so schlecht wie nie, aber ich fühlte mich pudelwohl. Ich glaube, so fühlt es sich an , wenn man darüber spricht nach Hause zu kommen.

so long, wushi

Aus gegebenem Anlass

•21. Oktober 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Ich weiss momentan nicht wo mir der Kopf steht.

1 1/2 Jahre war ich ein tadelloser Soldat. Gelobt für seine hervorragende Pflichterfüllung. Herausgestellt als Vorbild in der Verinnerlichung der soldatischen Pflichten. Ein Soldat, der in und außer Dienst die Innere Führung als oberstes Prinzip seines Handelns verwendet hat. Untadelig im Berufsverständnis. Besonnen und durchdacht.

Und jetzt? Das alles scheint gestrichen. Geradezu ausradiert und außer Acht gelassen.

Wozu also all’ diese Pflichterfüllungen? Wozu das Ausrichten an den Pflichten des Soldaten?
Wozu all diese Anstrengung, wozu das Bestreben, der Beste zu sein?

Ein Fehltritt und schon soll die Arbeit eines gesamten Jahres zunichte sein?

Ein Sprichwort besagt :“ alea iacta est “ – “ Die Würfel sind gefallen „.

Morgen um 0715 fallen die Würfel, die über meine Zukunft entscheiden sollen.

Ich fiel mit der Tür in’s Haus

•17. September 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

„Überleg doch mal! Die muss doppelte Eier beweisen!!“.
Verdammt. Er sollte ja so recht behalten.

Die Einschleusung war geschafft und ich war Teil des Systems.
Von der rustikalen Sporthalle ging es im Gänsemarsch oder militärisch gesagt in Reihe zu einem vierstöckigen Gebäude, das den Namen Block D (Delta) trug.
Dort angekommen mussten wir uns im dritten Stock hintereinander anstellen und wurden nacheinander in das Gruppenführerbüro gerufen.
Beim warten erhielt ich schon einmal einen ersten Eindruck von dem, das mich in den nächsten drei Monaten erwarten sollte.
Ich lehnte mich wie gewohnt beim warten an die Wand an. Ein Dienstgrad ging an mir vorbei und wies mich in einer „freundlichen“ Art mit den Worten “ EY! DIE WAND STEHT VON ALLEINE, SIE BRAUCHEN SIE NICHT STÜTZEN! STELLEN SIE SICH ORDENTLICH HIN, VERDAMMT!“ darauf hin, dass ich mich doch nicht anlehnen solle.
Gleich am Anfang auffallen wollte ich ja eigentlich nicht.Mist!
Gerade war Kreisel, der das Gruppenführerbüro vor mir betreten hatte, aus diesem wieder heraus getreten und ich trat, ohne mir weitere Gedanken zu machen, in eben dieses ein.
„EY RAUS HIER! Hab ich gesagt „Nächster“, oder was?! WER SIND SIE DENN?!“.
Ich drehte mich augenblicklich auf dem Schuhabsatz herum und verlies das Gruppenführerbüro um im Moment des Übertreten der Türschwelle auch schon wieder in dieses gerufen zu werden.
Ich erhielt die Information in der 4. Gruppe auf Stube 216 zu sein. Eine 8-Mann Stube.

Ich betrat die Stube und erhielt Spind und Bett Nr. 4. Nach und nach füllte sich Stube 216 mit Typen aller Art.
Es würde wohl nicht einfach werden sich mit allen zu arrangieren.

Lange Zeit zum kennenlernen blieb uns in diesem Moment allerdings nicht, denn kaum war unsere Stube gefüllt, da stand schon unsere Ausbilderin vor uns und begann damit uns einen groben Abriss des Programmes, das wir durchlaufen würden zu geben.
Großartige Vorstellungen von dem, was sich hinter „Gefechtsdienst“ , „Waffen- und Geräteausbildung“ oder „Formaldienst“ verbirgt hatten wir alle nicht. Spannend war es aber allemal.
Besonders eingebrannt hat sich folgende Frage meiner Ausbilderin : “ Hat jemand ein Problem damit, einer Frau zu gehorchen?“. Ob es einem von uns so ging, wusste ich nicht. Ich hatte jedenfalls kein Problem damit.
Als eine Antwort ausblieb fuhr sie mit den Worten „Es ist irrelevant, ob Sie ein Problem damit haben, ich stehe den männlichen Kameraden in nichts nach und das werden sie am eigenen Leib noch früh genug spühren“, fort.

Die „Frauen-müssen-Eier-beweisen“ Theorie von Kreisel schien sich zu bestätigen!

so long, wushi

Die heiligen Hallen von Bückeburg

•3. September 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Gehen war gar nicht nötig, denn wir wurden mit einem Pendelbus vom Bahnhof abgeholt.
Schon wieder sollte mich ein Transportmittel an einen entscheidungsträchtigen Ort bringen.

Ich setzte mich in die vorletzte Reihe der Sitzbänke des Busses und sah mir die anderen Männer, die alle in etwa mein Alter hatten, an. Schräg gegenüber saß ein südländisch aussehender junger Mann mit Truckercap, der der zweite werden sollte, mit dem ich ins Gespräch kommen würde.
„Ich hab gehört hier gibt’s ein Mädcheninternat! Mal schauen was da so geht was?“ , sagte er mit dem nervösen Unterton, der die große Ungewissheit, die vor uns allen lag, in einem jeden auslöste.
„Ja, stimmt, hab ich auch in so einem Forum gelesen“ entgegnete ich.

Der Bus war nach wenigen Minuten gefüllt und setzte sich in Bewegung. Es gab kein Zurück mehr. An Flucht war überhaupt nicht zu denken.
Viel zu schnell als mir lieb war kam die von außen unauffällige Kaserne in Sicht.
Ein grüner Gitterzaun aus Metall mit dem Schild „Militärischer Sicherheitsbereich“ begrenzt neben drei grau-braunen Betonfeldern die zivile und militärische Welt.
Mit dem passieren des Tores und der sich rechts befindlichen wehenden Deutschen Fahne befand ich mich zum ersten mal auf dem Grund und Boden, den ich zu lieben und hassen lernen würde.

Die Einfahrt in die Kaserne versprach mehr, als sie hielt. Gegenüber des Tores steht ein großer Backsteinkomplex, links vom Tor ein großes, restauriertes Gebäude und rechts, hinter dem Wachhäusschen am Tor der Sanitätsbereich, sowie das Offiziersheim. Alles Gebäude, die einen einladenen Eindruck machten.

An diesen fuhren wir allerdings vorbei. Man karrte uns zu einer Sporthalle Marke DDR-Unterklasse in der eine Einschleusung stattfinden sollte.

Die Einschleusung: fixes Abspeisen der Neuankömmlige durch das Ausfüllen von Fragebögen und die Angaben verschiedener relevanter Daten.

Die Einschleusung bestand aus mehreren Stationen. Man wurde immer Gruppenweise von Station zu Station gebracht und direkt seinem Ausbilder unterstellt.
In meinem Falle meiner Ausbilderin. Frau Oberfeldwebel, insgeheim Zahnfee genannt.

Zunächst dachte ich mir, dass ich mich über einen weiblichen Ausbilder freuen könnte, denn sie würde ja um weiten nicht so hart sein, wie ein männliches Pendant.
Als ich meine Gedanken mit Kreisel, der mir nicht von der Seite gewichen war, teilte, schlug mir die Wahrheit seiner Antwort förmlich ins Gesicht.

„Überleg doch mal! Die muss doppelte Eier beweisen!!“.
Verdammt. Er sollte ja so recht behalten.

so long, wushi

Aller Anfang ist schwer II

•24. August 2009 • 3 Kommentare

Dann fuhr er ein: der ICE, der mich per 1. Klasse zu dem Ort bringen sollte, an dem sich vieles für mich ändern würde.
Mit dem Schließen der Türen begann also eine Reise, nach der nichts mehr so sein sollte wie früher.

Da war ich also : ein schweres Herz, die Heimat rasant (ICE ~ 300 km/h) hinter mir verschwindend und ohne klare Vorstellungen von dem, was mich erwarten würde.

Ich setzte mich mit meinem kleinen Koffer also in die, für die 1. Anfahrt vorgesehene, 1. Klasse (Einzelplatz am Fenster) und las immer wieder durch die Unterlagen, die ich bei mir hatte, als würde das meine Nervosität lindern und mir einen Rückhalt verschaffen. Zuerst das Zugticket, um auch sicher zu sein, dass ich wirklich in der 1. Klasse reisen durfte.
Dann den Fahrplan, um auch blos sicher zu sein den richtigen Zug genommen zu haben.
Zum Schluss dann noch einmal den Packplan, den ich immer wieder im Kopf abhakte:

  • Sportsachen
  • Unterwäsche
  • T-Shirts
  • Kulturbeutel

Und dann begann der ganze Kreis von vorne. Ich war in einem neurotischen Teufelskreis gefangen, denn wenn ich mit dem gedanklichen Kontrollieren meines Packplanes fertig war war ich mir schon wieder so unsicher ob ich denn auch echt in die 1. Klasse durfte, dass ich meine Fahrkarte schon fast zwanghaft erneut kontrollieren musste.

Als schließlich die Schaffnerin, eine kurz gewachsene, dickere Frau mit rot-gefärbtem Kurzhaarschnitt mir  mit einem „Hier noch jemand zugestiegen?“ bedeutete meine Fahrkarte sehen zu wollen zeigte ich ihr meinen Einberufungsbescheid.
„Mensch, den brauchen’se mir doch nischt zu zeigen! Ich will nur die Fahrkachte (Ja, so sprach sie Fahrkarte aus!).“
Leicht verlegen gab ich ihr meine Fahrkarte und sie ging weiter ihrer routinemäßigen, beinahe maschinell scheinenden Kontrolltätigkeit nach(„Hier noch jemand zugestiegen?“).
Nach einiger Zeit kam eine reizende junge Frau im DB-Dress auf mich zu und fragte mich ob sie mir einen Kaffee bringen dürfte. „Mensch“, dachte ich mir „in der 1. Klasse gibt’s ja umsonst Kaffe!“. Ich bejahte ihre Frage also und freute mich auf meinen ersten Kaffee auf Kosten der Bundeswehr, der mich letztenendes 3,50€ kostete.
Nicht alles was glänzt ist Gold und Frauen im DB-Dress verschenken keinen Kaffee. So viel stand schon einmal fest.

„Meine Damen und Herren, in wenigen Minuten erreichen wir Hannover Hbf. Dort haben Sie Anschluss an [...]„

Hannover – Ich musste umsteigen. Beim Aussteigen fiel mir ein recht kleiner Kerl mit blond-rötlichen Haaren auf, der mir durch seinen Kleidungsstil signalisierte : Ich bin ein Fohlen.
Blau-weiß geringeltes Poloshirt, Khaki-Shorts und Halbschuhe an einem 1,60 kleinen jungenhaft aussehnden Menschen verleiten schnell zu solchen Schlussfolgerungen.
Ich wartete also auf meinen Anschlusszug, der mich letztendlich nach Bückeburg bringen sollte, stieg ein und war nach einer Fahrt von insgesamt 2:39 endlich da.

Am Bahnhof angekommen fiel mir wieder dieser Typ auf und da ich mir jetzt sicher war, dass er auch zum Wehrdienst antreten musste sprach ich ihn an: „Na, musst du auch hier zum Wehrdienst?“, „Ja, genau. Ich bin Kreisel„(der zukünftige Spitzname des Kameraden um ihn hier nicht persönlich zu nennen). „Ich bin wushi. Lass uns mal zusammen zur Kaserne gehen.
Gehen war gar nicht nötig, denn wir wurden mit einem Pendelbus vom Bahnhof abgeholt.
Schon wieder sollte mich ein Transportmittel an einen entscheidungsträchtigen Ort bringen.

So long, wushi

Der wöchentliche Wahnsinn : Pirates of Bückeburg

•20. August 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Wie langweilig und eintönig wäre das Leben, wenn man nicht hin und wieder in andere Rollen schlüpfen dürfte?
In meinen Augen sehr!

Um die Kategorie „wöchentlicher Wahnsinn“ einzuleiten möchte ich noch einmal betonen, das keine der hier aufgeführten wahnwitzigen Ereignisse geplant oder durch lange Überlegung entstanden ist, sondern alles spontan, aus den Situationen heraus passiert!

Beim allwöchentlichen Einkauf entdecken mein Stubenkamerad(von hier an M genannt) und ich Säbel für 2,99€ aus Schaumstoff. Wir waren sofort fasziniert. Die mussten wir haben!
Zunächst galt es aber zu prüfen ob die Dinger denn überhaupt bestand in unseren Händen haben. So kam es dazu, dass 2 Männer Anfang 20 mit Schaumstoffsäbeln bewaffnet durch den Einkaufsmarkt fochten, wobei ich schließlich unterlag, zu Boden ging und M mir den Gnadenstoß versetzte.

Die Schaumstoffsäbel erfüllten ihren Zweck : SIE WAREN PERFEKT.

Auf dem Weg zum Auto entwickelte sich in mir und M der nahezu gleichzeitig der Drang den Säbeln mit dem Verfallen in eine Rolle mehr Leben einzuhauchen und es war ja offensichtlich, welche das sein würde.

Piraten. Wir hatten Säbel, unsere Beute im aus Stahl (oder sind Einkaufswagen aus Alu?) geflochtenen Schlachtschiff und die richtige Attitüde zum Morden und Brandschatzen.
JARRR.

Schon auf dem Rückweg zum Piratenhauptquartier (Kaserne) steigerten wir uns immer mehr in die Rolle, weswegen auch die Wache mit einem freundlichen „Danke für’s einlassen du Landradde, JARR“ begrüßt wurde.

Da waren wir nun: 2 wundervolle Säbel, im Herz Pirat, aber in keinster Weise unserem Inneren ähnlich.
Was fehlte war ein Kostüm. Gut, dass der Dienstherr uns mit allen möglichen Utensilien austattet.
Das Dreiecktuch wurde zum Kopftuch umfunktioniert, die Koppel zur Piratenschärpe und Panzertape sowie Tarnschminke sorgten für die Abrundung des Ganzen.
Ehe wir uns versahen sahen wir aus wie richtige Piraten. Das war die Geburtstunde eines sich rapide entwickelnden Rollenspiels.

Narbengesicht Stinkebart

Narbengesicht Stinkebart

Narbengesicht Stinkebart ist ein alter Raudegen mit steifem Bein und einer undeutlichen, feuchten Aussprache. Er ist besessen davon den Piratenschatz zu finden.

Schlitzer Einauge

Unbenannt-2 Kopie

Schlitzer Einauge ist ein kaltblütiger Assasine, der von Narbengesicht angeworben wurde um mit ihm den Schatz zu suchen.

Keiner von beiden weiss was der Schatz wirklich ist, er soll nur ein großes Geheimnis enthalten.

Von einem Gaukler gewann Narbengesicht eine Schatzkarte, die ihm zum Schatz führen soll.
pergament Kopie

Der Spur zum Schatz folgenden fanden die beiden nach langem Suchen letztendlich den Schatz, der eine grausame Wahrheit beinhaltete und deswegen hier nur beschrieben werden kann.
Der Schatz war eine Zeichnung, die den winzigen Penis eines Soldaten zeigte.
Damit die beiden Freibeuter das Geheimnis für sich behielten zahlte der Soldat sie aus und kaufte ihnen eine Insel :D

superpiraten

ENTE GUT ALLES GUT!

Aller Anfang ist schwer

•19. August 2009 • Hinterlasse einen Kommentar

Das Kreiswehrersatzamt Berlin schickte mir vor rund 1 1/2 Jahren einen folgenschweren Brief.

Einberufung zum Grundwehrdienst

Sehr geehrter Herr wushi,
ich berufe Sie zum 9-monatigen Grundwehrdienst ab 01.07.2008 ein.

Es sollte mich, einen damals gerade 20 jährigen, langhaarigen und einer „Shit-happens“ Einstellung innewohnenden jungen Mann, nach Bückeburg verschlagen.

Bückeburg? Noch nie davon gehört„, war wohl neben: „Ach du Scheiße, ich muss also doch hin„, einer meiner ersten Gedanken. Es führten also wie so oft alle Wege nach Rom. Und mit Rom meine ich Google und mit Wege Klicks.

Bückeburg : Eine kleine Garnisionsstadt im Schaumburger Land in Niedersachsen an der Grenze zu NRW. 311 km von zu Hause entfernt.

Eine ganz schön große Umstellung. Gerade wohnte ich noch bei meinen Eltern und dann sollte ich wenige Wochen später 311 km entfernt, in einer mir unbekannten Stadt wohnen und nur noch am Wochenende zu Hause sein können.
Allein diese Aussicht genügte mir damals um ein wirklich penetrant mulmiges Gefühl in der Magengegend zu verspühren.
Allerdings nahm ich mir vor unvoreingenommen an die Sache heran zu gehen um kein verfälschtes Bild wahr zu nehmen.
Auf den Brief des Kreiswehrersatzamtes folgte eine Zeit der Umstellung.
Das Einzige, dass ich über das Soldatenleben wusste war, dass die Männer in Flecktarn kurze Haare hatten.
Um mir einen reibungslosen Start zu verschaffen schnitt ich also meine schulterlangen Haare auf eine moderate länge. Mein Pony, der immer noch knapp über die Augenbrauen ragte, sollte sich als fataler Blickfang erweisen – aber dazu später.
Neben einem neuen Haarschnitt legte ich mir auch ein paar neue Klamotten zu, denn in Röhrenjeans, schwarz-rot karrierten Pullovern und Chucks wollte ich nicht unbedingt bei der Armee aufschlagen.

Nach langer Zeit sah ich doch tatsächlich wie ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft aus oder in anderen Worten : schrecklich normal.

Der Tag meiner Abreise rückte immer näher und ich bat meine Familie, sowie engste Freunde mich zum Bahnhof zu begleiten um mich zu verabschieden.
Alle, die mir am Herzen lagen, waren da – nur das Mädchen, für das mein Herz damals wie wild schlug hatte die Straßenbahn verpasst.
Ich erhielt diverse Abschiedsgeschenke, die mich teilweise fast zu Tränen rührten, da ich an diesem Morgen ohnehin schon überemotional war und verabschiedete mich von Freunden und Familie.

Dann fuhr er ein: der ICE, der mich per 1. Klasse zu dem Ort bringen sollte, an dem sich vieles für mich ändern würde.
Mit dem Schließen der Türen begann also eine Reise, nach der nichts mehr so sein sollte wie früher.

So long, wushi

 
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